Watten – ein uriges Stück bayrische Kultur

von am 31. März 2013 in Gesellschaftsspiele

Watten – ein uriges Stück bayrische Kultur

Das Kartenspiel Watten ist in Deutschland bedauerlicherweise fast nur im südlichen Raum bekannt. Es ist ein klassisches „Stich“-Spiel, allerdings werden für den Sieg nicht die Kartenwerte gezählt, wie beispielsweise beim Skat, sondern die Anzahl der Stiche ist relevant. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass es keinen Farb- oder Trumpfzwang gibt, so dass aus strategischen Gründen ein Stich „durchgelassen“ werden kann. Erwähnt seien noch die drei „Kritischen“, Trümpfe, die eine ähnliche Funktion wie die Buben beim Skat erfüllen. Es wird mit einem deutschen Blatt gespielt, für eine Partie werden vier Spieler benötigt, wobei die jeweils gegenüber- sitzenden Teilnehmer ein Paar bilden und gemeinsam gegen die beiden anderen spielen.

Herkunft und Geschichte

Watten entstand wahrscheinlich während der napoleonischen Kriege in Südtirol, als sich die alliierten bayrischen und französischen Soldaten die Zeit zwischen den Gefechten mit einer Partie Karten vertrieben. Später verbreitete sich das Spiel auch im Rest Österreichs, der Schweiz und eben auch in Bayern, wo es bis heute einen festen Bestandteil der Wirtshauskultur darstellt. Zur Etymologie des Wortes gibt es mehrere Theorien, zwei gelten als besonders wahrscheinlich. Eine Möglichkeit ist, dass sich der Begriff aus dem französischen „va tout“ (in etwa: Letzter Trumpf) entwickelte. Der alternative Vorschlag verweist auf den Ursprung des Wortes im italienischen Verb „battere“, welches so viel wie „schlagen“ bedeutet. Für interessierte Neueinsteiger wie auch für passionierte Spieler empfiehlt sich die Seite watten-1.com.

Ein etwas anderes Spiel

Es entspricht wie kaum ein anderes Kartenspiel der bayrischen Mentalität. Es gibt kein absolut zwingendes Regelwerk, vielmehr können die Regeln sogar innerhalb einer Ortschaft durchaus divergieren, es wird nach Hausregeln gespielt. Außerdem wird gern offen und frei über die Karten des Gegners oder sogar das eigene Blatt gesprochen, hinzu kommen für den Neuling beinahe komisch anmutende Fingerzeige und Mimik. Dennoch sind diese durchaus zum Spiel gehörenden Gesten strategisch ebenso wichtig wie konzentriertes Mitdenken und das richtige Einschätzen des Gegners.








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